Torsten Seifert: Wer ist B. Traven? Eine Gastrezension von Kendraen

Wer ist B. Traven?

Klappentext:
1947: Leon, ein aufstrebender Journalist, verschlägt es nach Zentralmexiko. Hier wird „Der Schatz der Sierra Madre“ gedreht, basierend auf einem Roman von B. Traven. Leon soll herausfinden, wer sich hinter dem Pseudonym des Schriftstellers versteckt. Doch er verbringt seine Zeit lieber mit Humprey Bogart, Lauren Bacall, John Huston und einer geheimnisvollen Frau namens Maria. Zurück in Los Angeles lässt ihn Travens Geheimnis aber nicht mehr los: Wer ist dieser Autor? Stimmt es, dass alle, die nach ihm gesucht haben, unter mysteriösen Umständen ums Leben kamen? Leon bricht erneut auf. In Wien kommt er einer Antwort näher, des Rätsels Lösung liegt aber in Mexiko. Und Leon merkt plötzlich: Er ist nicht der Einzige, der B. Traven auf den Fersen ist…

Wie soll ich es sagen… Der Schreibstil ist gut, das Buch lässt sich flüssig lesen.
Der Verfasser des Klappentextes versteht sein Handwerk augenscheinlich gut. Hier wird ein Spannungsbogen suggeriert, den das Buch leider vermissen lässt.

Die Story beginnt mit einem toten Gesellschaftsreporter der offenbar mit zerschossenem Schädel in seinem Cabrio am Strand gefunden wird. Das hört sich nach einem guten Einstieg in eine spannende Spurensuche an! Dumm nur, dass dieser Ansatz grade mal eine knappe Seite lang ist und so gut wie gar nichts mit dem weiteren Verlauf zu tun hat. Außer vielleicht Leon Borenstein, einen ehemaligen Polizeireporter, vorzustellen. Der sich direkt im Anschluss als ziemlich naiv und uninformiert outet, sich von seinem Chef überrumpeln lässt und mit der Information, dass die letzten 3 Journalisten die B. Traven suchten tot oder irre geworden sind, ins Flugzeug nach Mexiko verfrachten lässt.

In Mexiko gelangt Leon an das Filmset zum Filmklassiker „Der Schatz der Sierra Madre“. Man sollte denken, hier könnte eine Wendung der Geschichte in Richtung Hommage an die alten Zeiten Hollywoods erfolgen. Aber weit gefehlt. Leon wird zum Schach spielenden Bogart-Bespaßer. Zweimal läuft ihm John Huston über die Füße, Lauren Bacall nicht ein einziges Mal. Die ach so geheimnisvolle Maria wird zum One-night-stand, beklaut ihn und haut ab. Hier wäre der nächste gute Ansatz. Jag diese Maria!!! Dann kommt die Story vielleicht endlich in Fahrt. Aber nein, nicht daran zu denken. Der Mann fährt als Looser zurück nach Kalifornien und der Handlungsstrang reißt für ein ganzes Jahr ab. Bis Maria sich von selbst nochmal bei Ihm meldet.

Ein Motiv, dass sich im weiteren Verlauf wie ein roter Faden durch das Buch zieht. Des Öfteren tauchen Figuren oder Möglichkeiten auf, eine spannende Handlung zu entwickeln. Doch bis zum bitteren Ende bricht die Geschichte immer in dem Moment ab, in dem sie eigentlich Fahrt aufnehmen könnte. Der Protagonist ist ein ahnungsloser Langweiler der als Spielball dummer Zufälle Gerüchten folgt. Und am Ende stellt er sich nicht einmal die Frage, ob es sich nicht einfach nur um eine weitere unwahre Geschichte handelt.

Zur Einleitung des Buches steht ein Zitat:
„Eine Geschichte, die nicht wahr ist, gut zu erzählen, ist eine Gabe, my boy. Sie sind ein Künstler, wissen Sie das?“ B. Traven

Leider kann ich mich dem nicht anschließen.

Titel: Wer ist B. Traven?
Autor: Torsten Seifert
Verlag: Tropen Verlag
Seiten: 269
Preis: 20 EUR
ISBN: 978-3608503470

Hier erhältlich