Nils Oskamp: Drei Steine

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Heute gibt es eine Premiere auf meinem Blog. Denn ich möchte Euch eine Graphic Novel vorstellen, die mich sehr bewegt hat.

Normalerweise rezensiere ich nur Bücher aus dem Bereich Horror, Fantasy oder Science Fiction, aber da mich das Thema von „Drei Steine“ von Nils Oskamp selber sehr beschäftigt, war es mir ein grosses Anliegen diese Rezension zu schreiben! Denn viel zu oft machen auch wir „die Augen zu“ und schauen weg…

Das Thema von „Drei Steine“ ist kein einfaches. Es ist ein Thema, welches uns alle in Deutschland seit einiger Zeit immer wieder heimsucht. Es ist ein Thema über das wir einfach sprechen müssen. Es ist ein Thema, welches betroffen und wütend macht. Ich rede von Rechtsradikalismus.

Nils Oskamp beschreibt in seiner Graphic Novel, wie er in den 80er Jahren an seiner Schule in Dortmund-Dorstfeld in das Visier einer rechtsradikalen Gruppierung geraten ist. Als einer seiner Mitschüler behauptet, daß es den Holocaust nicht gab, steht er auf und stellt sich dagegen. Die Graphic Novel erzählt weiter wie er als Jugendlicher nun damit umgegangen ist, wie er es geschafft hat, trotz eigener Wut im Bauch, trotz zweier Mordanschläge, Gewalt und ständiger Demütigungen durch Rechte, nicht auch zum Täter zu werden. Dabei helfen Ihm die „Drei Steine“. Die Hintergründe der „Drei Steine“ sind nicht ganz geklärt, lassen sich aber auf folgende Ideen eingrenzen: zum einen sind auf jüdischen Friedhöfen selten Blumen als Grabschmuck zu finden. Stattdessen liegen Steine auf den Gräbern. Diese sind als Zeichen des Gedenkens zu sehen. Eine weitere Überlieferung besagt, daß Schafhirten in der antiken Zeit ihre Schafe mit Hilfe von kleinen Steinen in einem Lederbeutel zählten. Starb ein Schaf nahm der Schäfer einen Stein heraus. Eine andere Überlieferung sieht die Tradition der Steine im nomadischen Ursprung der Juden als Nomadenvolk. Da in der Wüste Erdbestattunge nicht möglich waren, wurden Tote unter Steinhaufen beigesetzt. Wurde das Grabmal von Angehörigen besucht, legten sie Steine ab und erneuerten so den Schutz. Es gibt noch weitere Erklärungen – dazu möchte ich auf die Webseite von „Drei Steine“ verweisen.

Ich muss zugeben – es fällt mir sehr schwer diese Rezension zu schreiben. Denn das Thema Rechtsradikalismus macht mich wütend. Und wenn es dann noch „in der Nachbarschaft“ geschehen ist, macht mich das umso wütender. Dortmund ist – was Rechtsradikalismus angeht – kein unbeschriebenes Blatt. Der Rechtsradikalismus scheint hier „Tradition“ zu haben… viele behaupten sogar, daß Dortmund eine Hochburg der Rechten in Deutschland ist. Dieses Thema wird auch in „Drei Steine“ aufgegriffen – ein grosser Teil des Anhangs beschreibt die Entwicklung des Rechtsradikalismus in Dortmund.

Die Graphic Novel ist durchgehend in Blautönen gehalten – wie ich finde eine passende Farbe, um der Hintergrundstory die richtige Atmosphäre zu verleihen. Ich bin kein Comicprofi, aber die Bilder sind sehr eindringlich und machen beim Lesen und Ansehen betroffen. Trotz allem schafft es Nils Oskamp aber, daß man als Leser – wie auch der Protagonist – nie den Mut verliert. Im Gegenteil animiert die Graphic Novel sogar dazu zu seinen Standpunkten zu stehen und diese – wenn nötig – auch verbal zu verteidigen. „Drei Steine“ zeigt sehr eindringlich, daß es sehr wohl möglich ist, sich gegen stumpfe und gefährliche Ideologien zu verwahren, ihnen entgegenzutreten und aufzurütteln. In diesem Sinne finde ich es auch grossartig, daß Herr Oskamp mit „Drei Steine“ in Schulen geht und dort Lesungen veranstaltet.

Liebe Comicfans – verzeiht mir bitte diese Rezension. Ich habe noch keinen Comic rezensiert und war doch sehr unsicher, wie das zu handhaben ist. Daher liest sich diese Rezension wohl auch eher wie eine Buchrezension. Vergebt mir!

Ich möchte „Drei Steine“ jedem ans Herz legen! Ob jung oder alt! Lest die Graphic Novel, versteht was falsche Ideologien den Menschen antun, steht auf und erhebt Eure Stimme gegen Rechts!

Titel: Drei Steine
Autor und Zeichner: Nils Oskamp
Verlag: Panini
Seiten: 160
Preis: 19,99 EUR
ISBN: 978-3957986467
Hier erhältlich
Webseite „Drei Steine“

Momentan läuft eine Ausstellung zu „Drei Steine“ in der Steinwache in Dortmund. Wer daran Interesse hat, dem sei diese Seite für weitere Informationen empfohlen.

1 Kommentar

  1. schöne Rezension, das Thema in einem Comic zu verarbeiten ist sicher nicht leicht und wie schwierig es ist Comics zu rezensieren habe ich auch gerade erst festgestellt.

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