Tad Williams: Das Herz der verlorenen Dinge

Eigentlich sollte Frieden in Osten Ard herrschen. Doch die wenigen Elben, die noch leben, werden immer weiter in den eisigen Norden der riesigen Lande gedrängt. Die Anführer der Sterblichen scheinen nicht eher zu ruhen, bis sie die Nornen endgültig vernichtet haben. Eine Schlacht auf Leben und Tod beginnt. (Klappentext)

Über 20 Jahre habe ich darauf gewartet, daß Tad Williams nach Osten Ard zurückkehrt! Geplant war das eigentlich nicht, aber er hatte nun doch endlich ein Einsehen mit seinen Fans und legt nun noch mal richtig los. Mich als absoluten Osten Ard Fan freut das natürlich ungemein und daher an dieser Stelle ein ganz dickes DANKE! an Tad Williams! You’re the best!

Was hatte ich für Erwartungen an dieses Buch! Schon in dem Moment als ich erfuhr, daß Tad Williams nach Osten Ard zurückkehren möchte, machten sich leise Zweifel in mir breit … „Wird Tad es schaffen die einzigartige Atmosphäre der Osten Ard Saga zurückzubringen?“ – „Wie wird er die neuen Geschichten in die Saga integrieren?“ … Fragen über Fragen … und banges Hoffen …

Ich greife mir hier jetzt einmal ausnahmsweise voraus und sage – er hat es geschafft! Meine Zweifel wurden restlos beseitigt! Schon die ersten Minuten des Lesens haben mir diesen wohligen Schauer von „zuhause sein“ beschert!

Das Buch fungiert meines Erachtens nach als Bindeglied zwischen der „alten“ Osten Ard Saga und den ganz neuen Romanen, dessen erster Band „Die Hexenholzkrone – Der letzte König von Osten Ard 1“ im September 2017 bei Klett-Cotta erscheinen wird.

Erzählt werden die Geschichte und Vorkommnisse nach dem Tod des Sturmkönigs Ineluki. Die Nornen sind auf der Flucht nach Nakkiga, ihrer Heimatburg im Norden, und werden von Herzog Isgrimnur und seinen Truppen gnadenlos gejagt.

Dabei teilt sich der Roman in zwei Teile auf – zum einen wird die Belagerung Nakkigas aus der Sicht des Herzogs und der Rimmersgarder Truppen erzählt, zum anderen aus der Sicht der Nornen. Ich halte das für einen extrem cleveren Schachzug, denn so gibt uns Tad Williams einen Einblick in die Sicht der Nornen, in ihre Lebensweise und Traditionen. Das kam in den alten Osten Ard Büchern nur sehr knapp zur Sprache. Umso mehr habe ich mich an dieser Stelle gefreut!

Allgemein hat es Tad Williams geschafft, daß sich der geneigte Osten Ard Fan sofort zuhause fühlt. Kein Fremdeln … nichts … man ist sofort wieder in der Atmosphäre der ersten Romane gefangen. Toll! So was schafft auch nur ein Tad Williams!

An dieser Stelle werde ich meine – zugegebenermassen – recht kurze Rezension auch beschliessen. Ihr habt sicher schon gemerkt – ich bin ein absoluter Tad Williams Fan! Und bevor ich mich hier in Lobpreisungen ergehe … Stop! 😉

Liebe Freunde von Osten Ard – aber auch liebe „Neu-Osten-Ardler“ – Osten Ard und seine grossartigen Charaktere sind wieder da! Greift Euch das Buch und verbringt einige schöne Lesestunden in dieser einzigartigen Welt! Es lohnt sich! Dauert es noch lange bis September? 😉

Titel: Das Herz der verlorenen Dinge
Autor: Tad Williams
Verlag: Klett-Cotta Hobbitpresse
Seiten: 380
Preis: 20 EUR
ISBN: 978-3-608-96144-7
Hier erhältlich

Anmerkung: Schaut doch auch mal bei der Deutschen Tad Williams Mailingliste vorbei!

T.S. Orgel: Die Blausteinkriege 1 – Das Erbe von Berun

Magie ist ein gefährliches Spiel …

Einst war es der Nabel der Welt, doch nun steht es vor dem Niedergang: das Kaiserreich Berun, gegründet auf die Schlagkraft seiner Heere und den unerbittlichen Kampf gegen die Magie des Blausteins. Als Beruns Macht schwindet, kreuzen sich die Pfade dreier Menschen – ein Mädchen, ein Schwertkämpfer und ein Spion. Keiner von ihnen ahnt, wie unauflöslich ihr Schicksal mit der Zukunft von Berun verwoben ist.

Das Zeitalter der Blausteinkriege ist angebrochen … (Klappentext)

Was uns die Brüder Tom und Stephan Orgel (T.S. Orgel) hier vorlegen, ist ein Fantasy Roman vom Allerfeinsten. Magie, Intrigen, Heere und verhinderte Helden – dieser Roman hat all das und noch so viel mehr!

In der Hauptsache wird die Geschichte von Sara, Marten und dem „Puppenspieler“ erzählt. Angenehm auffallend ist dabei, dass alle drei Charaktere sehr fein ausgearbeitet sind. Aber … es sind keine klassischen Helden und besonders zu Beginn sind sie den „Guten“ nicht unbedingt zuzuordnen. Alle drei und da insbesondere der letzte Charakter (der Puppenspieler) haben auch ihre Schattenseiten, sind mitunter gezwungen grausam und gnadenlos zu sein. Allgemein die sind Charaktere in den „Blausteinkriegen“ nicht unbedingt zimperlich, so dass das Buch in Grundzügen schon stellenweise sehr brutal rüberkommt. Es ist aber eine „realistische“ Brutalität, die hier beschrieben wird. Sie ist nie ausufernd oder voyeuristisch, sondern dient als Mittel zum Zweck.

Es ist den beiden Autoren sehr gut und anschaulich gelungen, eine ganz eigene Welt zu erschaffen. Nein, es ist keine wirklich schöne Welt. Es ist eine Welt der Gier nach Macht, eine Welt der Kriege, eine Welt der – ich möchte es ganz vorsichtig sagen – versteckten Magie, die nicht immer positiv eingesetzt wird. Überhaupt macht die Blausteinmagie nicht den Eindruck eine erstrebenswerte Magie zu sein. Sie ist zwar mächtig, fordert aber einen hohen Preis.

Auch ist es eine Welt der Unterschiede zwischen Arm und Reich, zwischen der Machtelite und den einfachen Menschen. Und – es ist eine Welt der Gezeichneten, Menschen, die in der Lage sind, mithilfe des Blausteins Magie anzuwenden…

All das wird dem Leser sehr eindringlich und plastisch geschildert. Ich habe mich nach den ersten Seiten sofort wohl gefühlt, war irgendwie „zuhause“ angekommen. Der Roman liest sich sehr flüssig und verzichtet in meinen Augen dennoch nicht auf eine ausgefeilte und ansprechende Sprache. Für mich war es seit Langem wieder ein Fantasy Roman, der mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat.

Einen kleinen Kritikpunkt muss ich jedoch anbringen. Ich habe das E-Books gelesen und war ein wenig enttäuscht darüber, dass die Karte zu Beginn des Buches so klein und fast nicht zu lesen war. Auf Nachfrage wurde ich von Tom Orgel auf die Seite der Blausteinkriege verwiesen und fand dort eine wunderbare Karte zum Ausdrucken.

Vielleicht ist es ein gewagter Vergleich, aber ich würde beide Autoren durchaus in der Tradition eines Robert E. Howard bzw. Peter V. Brett sehen.

Freunden der klassischen Fantasy sei dieses Epos sehr ans Herz gelegt! Ihr werdet nicht enttäuscht sein und greift vermutlich sofort – wie ich das getan habe – zu Band 2.

Leseempfehlung!

Titel: Die Blausteinkriege 1 – Das Erbe von Berun
Autor: T.S. Orgel
Verlag: Heyne
Seiten: 608
Preis: 14.99 EUR (Paperback) – 11.99 EUR (E-Book)
ISBN: 978-3-453-31688-1
Hier erhältlich

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